Gartenkunst und Landschaftspflege
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Erhaltung und Entwicklung von Parks und Gärten im "grünen" Weiterbildungszentrum für Sachsen-Anhalt

Die Gartentherapeutin Joana Obenauff von Wurzelglück (www.wurzelglueck.de) gibt einen Einblick in die geschichtliche Entwicklung der Gartentherapie, der zeigt, dass der Wirkung von Natur und Garten auf die menschliche Gesundheit schon seit langer Zeit große Bedeutung beigemessen wird.

"Ob Mongolische Heiler, keltische Druiden oder die Weisen Frauen der Germanen. Menschen auf der ganzen Welt wussten schon vor einigen Jahrtausenden um die Heilkraft der Natur und nutzten die Wirkung von Pflanzen zur Behandlung von Krankheiten.

Auch die alten Ägypter hatten bereits prächtige Gärten, die sie nicht nur zur Versorgung mit Lebensmitteln nutzen, sondern auch zu therapeutischen Zwecken. So wurden psychisch kranken Mitgliedern der Königsfamilie Gartenspaziergänge verordnet.

In der griechischen Antike und im antiken Rom, waren Ärzte ebenfalls der Überzeugung, dass sich die aktive Auseinandersetzung mit der Natur positiv auf das Wohlergehen ihrer Patienten auswirkt. Schon Hippokrates behandelte seine Patienten mit Heilpflanzen, frischer Luft und gesunder Ernährung. War doch die Bewegung im Freien, als Weg geistiger und körperlicher Gesundheit das Idealbild der griechischen Antike.

Und auch der römische Arzt Galen von Pergamon (129-199 n. Chr.) erkannte den Wert der Arbeit mit den Händen für die Heilung von Körper und Seele. Er beschrieb unter anderem die Linderung von psychischen Störungen durch Tätigkeit in Garten und Landwirtschaft und sagte: „Arbeit ist die beste Medizin, die uns die Natur gegeben hat.“

Nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reichs verschwand das bis dahin bestehende medizinischen System des Altertums. Es begann das Zeitalter der Klostermedizin, in der vom 8. bis zum 12. Jahrhundert die medizinische Versorgung der Bevölkerung vor allem in den Händen von Nonnen und Mönchen lag. In Klöstern wurden Gärten angelegt, um Heil- und Nutzpflanzen anzubauen, die geerntet und zur Heilung von Krankheiten verarbeitet wurden. Die Gärten waren aber auch dem Gebet und damit der Ruhe und Entspannung gewidmet.

812 förderte zudem Kaiser Karl der Große die Heilkunde seiner Zeit, indem er mit seiner Landgüterverordnung „Capitulare de villis“ ein Gesetzt erließ, in dem er den Anbau von Heil- und Nutzpflanzen in Klöstern und Landgütern anordnete und die darin zu züchtenden Pflanzen verbindlich vorschrieb.

Im 15. Jahrhundert wurden in Saragossa (Spanien) im Krankenhaus "Urbiset orbis" erstmals psychisch Kranke zielgerichtet mit der Arbeit an der frischen Luft therapiert. Bei der Feldarbeit wurde das natürliche Bedürfnis des Menschen nach Natur als Antrieb für eine erfolgreiche Therapie genutzt. Hinzukam die sinnstiftende Arbeit, mit den Händen in der Erde zu stecken und eigenständig etwas bewirken und gestalten zu können.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die therapeutische Arbeit im Freien langsam zu einem anerkannten Heilmittel für psychisch Kranke. Der Amerikaner Benjamin Rush (1745-813), der Begründer der amerikanischen Psychiatrie und Vater des „therapeutischen Gartenbaus“, war einer der ersten, der über gärtnerische Aktivitäten und deren heilende Effekte bei der Behandlung psychisch kranker Menschen schrieb und körperliche Tätigkeiten an der frischen Luft aus ärztlicher Sicht empfahl. Er schrieb 1768: „In der Erde graben ist ein Heilmittel“.

1817 entstand in Philadelphia die erste psychiatrische Klinik mit parkähnlicher Außenanlage, die den Patient*innen die therapeutische Arbeit im Obst- und Gemüsebau ermöglichte.

Zu etwa der gleichen Zeit entwickelte sich durch den französischen Arzt Philippe Pinel (1745-1826) auch in Europa die Psychiatrie in eine Richtung, die psychisch Kranke nicht mehr als Gemeingefährliche und Verbrecher sah. Pinel war begeistert von den Überlieferungen des spanischen Krankenhauses in Saragossa und hielt die Tätigkeit im Feldbau für eine wirksame Heilmethode bei psychischen Erkrankungen. Im späten 18. Jahrhundert gab es immer mehr Anstalten, in denen die Patient*innen in den umliegenden Gärten arbeiteten.

Auch in Deutschland trat mit Hermann Simon (1867-1947), Leiter der Provinzialheil- und Pflegeanstalt in Warstein und als Begründer der Arbeitstherapie bekannt, die Krankenbeschäftigung im Freien mittels Garten- und Feldarbeit immer weiter in den Vordergrund. Auch Christin Friedrich Roller (1802-1878), Leiter der psychiatrischen Klinik Illenau, war Verfechter der Arbeitstherapie im Freien und schuf um seine Klinik hierfür extra einen Park sowie gärtnerische Nutzflächen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Gartenarbeit bei der Pflege von Kriegsveteranen eingesetzt. Ab 1920 wurden die ersten Handbücher zum therapeutischen Einsatz von Gartenarbeit verfasst und auch die Ergotherapie übernahm das Thema Gärtnern für ihre therapeutischen Interventionen. Im Zweiten Weltkrieg allerdings schlossen die Nazis psychiatrische Kliniken und viele psychisch Kranke fielen dem sogenannten Euthanasieprogramm zum Opfer.

In den USA wurde bereits in den 1960´er Jahren an der Michigan State University eine erste Workshopwoche zum Thema „Gartentherapie“ durchgeführt und das Medical Center´s Rusk Institute for Rehabilitative Medicine der New York University beginnt mit einem Gartentherapieprogramm für psychisch Kranke.

In Deutschland gründete sich 1989 der "Arbeitskreis Gartenbau und Therapie“, der 2001 zur "Gesellschaft für Gartenbau und Therapie" (GGuT) umbenannt wurde. Im deutschsprachigen Raum entwickelt sich die Gartentherapie seit den 90´er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als eigenständige interdisziplinäre Therapieform. 2001 eröffnete der erste Demonstrations- und Therapiegarten in Deutschland auf der Insel Mainau im Bodensee und 2006 startet die Donau-Universität Krems (Österreich) den Hochschul-Lehrgang Gartentherapie.

2011 wurden mit der Gründung der IGGT „Internationale Gesellschaft Gartentherapie“ erste Schritte unternommen, Weiterbildungsinitiativen im deutschen Sprachraum zu koordinieren.

Heute ist die Gartentherapie in Deutschland bereits in einigen Pflege- und Betreuungseinrichtungen für Senioren oder auch in Krankenhäusern und Rehakliniken zu einem festen Bestandteil des Angebots geworden und dient als Ergänzung oder Alternative zu herkömmlichen therapeutischen Strategien.

Ich möchte mich herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie mich auf der Reise durch die Zeit begleitet haben! Ich hoffe, dass ich Ihnen einen Überblick über die Entwicklung der Gartentherapie geben konnte und freue mich, Sie im Januar-Beitrag über die Einsatzmöglichkeiten und Wirkungen der Gartentherapie zu informieren!

Bis dahin wünsche ich Ihnen und Ihren Liebsten eine schöne Vorweihnachts- und Weihnachtszeit sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr! Bleiben Sie gesund!"

Mit grünen Grüßen
Joana Obenauff

Wurzelglück
Gartenzeit I Gartentherapie I Gartenberatung

Dipl.-Ing. Joana Obenauff
Matthissonstraße 7
39108 Magdeburg

Web: www.wurzelglueck.de

Telefon: +0049 (0) 176-85640369
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