Gartenkunst und Landschaftspflege
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Erhaltung und Entwicklung von Parks und Gärten im "grünen" Weiterbildungszentrum für Sachsen-Anhalt

April, April, der macht was er will! Regen, Wind, Sonne und manchmal auch noch Schnee – das typisch wechselhafte April-Wetter macht der geplanten Gartenarbeit so kurz vor der Hauptsaison immer mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Für die wetterbedingten Stubenhocker-Tage, die sich hervorragend dazu nutzen lassen, Pläne für die nächsten Gartenarbeiten zu schmieden, gibt die Gartentherapeutin Joana Obenauff von Wurzelglück (Magdeburg) heute Hinweise, worauf bei der Planung eines Therapiegartens geachtet werden sollte – heute: Bestandsaufnahme!

„Jeder Garten kann ein Therapiegarten werden – auf die Größe kommt es hierbei nicht an. In erster Linie muss er seinen Menschen gut tun. Im Gegensatz zu baulichen Einrichtungen ist er ein natürlicher Erlebnis- und Bewegungsraum ohne Wertung und Stigma. Er ist „neutraler Boden“ an dem vergessen werden soll, dass Therapie stattfindet. Er soll Rückzugsraum und ein Ort zum Verweilen sein. Ist er an eine Einrichtung angeschlossen kann er auch als freiräumlicher Therapieraum für z. B. Physio- oder Ergotherapie genutzt werden und dem Personal, den Therapeuten und Gästen als Aufenthaltsort dienen.

Die Gestaltung des Gartens muss gestalterische Mindestanforderungen erfüllen und sich an den körperlich, geistigen und seelischen Fähigkeiten und Bedürfnissen der Zielgruppe orientieren, um die Durchführbarkeit der geplanten Aktivitäten gewährleisten zu können. Sollte ein Garten nicht umgestaltet werden können, bestimmt die vorhandene Ausgestaltung des Gartens, die Zielgruppe, die in ihm aktiv werden kann. Wichtig ist immer: potenzial- und zielgruppenorientiert denken! Vom Bestand so viel wie möglich erhalten und nur so viel wie nötig neu planen! Um dies umsetzen zu können bedarf es zuerst einer gründlichen Bestandsaufnahme.

Die Bestandsaufnahme ist die Voraussetzung für die nutzergerechte Gestaltung von Therapiegärten. Sie trägt wesentlich dazu bei, Potenziale des Gartens zu erkennen, Kosten richtig zu kalkulieren und Fehlinvestitionen zu vermeiden.

Bei der Bestandsaufnahme werden Strukturen und Elemente aufgenommen, die bereits vorhanden sind. Hierzu gehören z. B.: Weg- und Wegeverbindungen, Bäume, Sträucher, Beete, die Größe des Gartens, Aufenthaltsbereiche/Sitzplätze, Gebäude, Gartenelemente (z. B. Kompost), Teiche, Material und Werkzeuge, Zugänge, Feuerwehrzufahrten, Wasser- und Stromanschlüsse, Beleuchtung. Für die spätere (Um-)gestaltung und für die Pflanzenauswahl ist es ebenfalls wichtig zu wissen, wie sich das Geländeprofil (z. B. Hanglage) darstellt und wie sich der Einfall des Sonnenlichts im Verlauf des Tages verändert (Sonnen-/Schattenpflanzen).

Ein Garten sollte bei der Bestandsaufnahme vor allem auch auf das Vorhandensein der gestalterischen Mindestanforderungen an einen Therapiegarten untersucht werden. Diese sind für die Aufenthaltsqualität und die Qualität der Durchführung gartentherapeutischer Interventionen von großer Bedeutung:
•    Barrierefreiheit (Wege, Beete, WC, Gebäude, Verzicht auf giftige Pflanzen etc.)
•    Anregung aller Sinne (Duftstauden, Kräuter, Naschobst, Blumenwiese, Nützlingsunterkünfte etc.)
•    Sicht-, Wind- und Wetterschutz (Schlechtwettervarianten)
•    Beleuchtung
•    Schatten- und Sonnenplätze
•    Aktiv- und Ruhebereiche
•    Rückzugsmöglichkeiten
•    Sitzgelegenheiten
•    Sanitäranlagen
•    Schlechtwettervarianten

Zur Bestandsaufnahme gehören ebenfalls die Punkte Finanzierung und Pflege. Ohne Geld für Pflanzen, Werkzeug, Material und Pflege und der Pflege selbst, kann die langfristige und nachhaltige Nutzung eines Therapiegartens nicht gewährleistet werden.

Die Finanzierung entscheidet über den Umfang und die Möglichkeiten der Planung und Gestaltung und gebenenfalls auch über die Gewährleistung der späteren Pflege! Ist die Finanzierung nicht gesichert, können z. B. Ausfälle in der Pflanzung oder kaputtes Werkzeug nicht ersetzt werden. Finanzielle Mittel sind zudem essentiell, um die Nutzbarkeit und die sich daraus ergebene Sicherheit der Gartenstrukturen und -elemente sicherstellen zu können: z. B.: Beleuchtung, Wetterschutz, Sanitäranlagen.

Auch die Kalkulation der Pflegekosten gibt der späteren Planung einen Rahmen. Der Garten muss im jahreszeitlichen Verlauf verschiedene Pflegemaßnahmen erfahren, um dessen Nutzbarkeit innerhalb der Therapieeinheiten zu ermöglichen. Die Planung richtet sich daher nach der Machbarkeit des zu erwartenden Pflegeaufwands. Die Kosten für die Pflege könnten z. B. durch ehrenamtliche Helfer*innen, oder gegebenenfalls die Einbindung des Personals oder durch Aktionstage minimiert werden.“

Wenn auch Sie einen Therapiegarten planen und Hinweise oder Unterstützung benötigen, Joana Obenauff steht Ihnen bei Ihrem Projekt gerne zur Seite. Besuchen Sie hierzu auch gerne ihre Website: www.wurzelgueck.de