Gartenkunst und Landschaftspflege
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Erhaltung und Entwicklung von Parks und Gärten im "grünen" Weiterbildungszentrum für Sachsen-Anhalt

Die Gartentherapeutin Joana Obenauff von Wurzelglück aus Magdeburg gibt im Monta Juli einen Einblick in verschiedene Aufgabenbereiche, die Pflanzen in der Gartentherapie übernehmen können und was bei der entsprechenden Pflanzenauswahl beachtet werden sollte.

Auch wenn der Garten in der Gartentherapie eine wichtige Rolle einnimmt, sind es doch vor allem die Pflanzen, auf die es ankommt. Ob Baum, Strauch oder Staude, sie alle sind mehr als nur Gestaltungselement und reines Arbeitsmaterial. Pflanzen sind Therapeut, Partner, Seelenspiegel, Medium, Werkzeug, Freund und Orientierungshilfe, und dass für alle Menschen, auch außerhalb der Gartentherapie!  

In der Gartentherapie kann jede Art von Pflanze zum Einsatz kommen. Ob Stauden, Frühjahrsblüher, Kletterpflanzen, Kräuter, Obst, Gemüse, Gräser, Sträucher oder Bäume, sie alle haben ihre eigene Qualität.

In der Gartentherapie wird das Wohlbefinden vor allem durch die Aktivierung der Sinne gesteigert.  Bei der Pflanzenauswahl sollte daher darauf geachtet werden, dass die gewählten Pflanzen etwas zum Riechen, Fühlen, Hören, Sehen und/oder Schmecken bieten – regen wir unsere Sinne an, regen wir unsere Selbstheilungskräfte an. Duftende Stauden und Kräuter, interessante Blatt- und Rindenstrukturen zum Fühlen, Bambus oder Gräser, deren Laub im Wind rascheln, insektenfreundliche Stauden, die zum Beobachten von Hummel & Co. einladen und eine breite Auswahl an Obst, Gemüse, Kräutern und essbaren Blüten, die verarbeitet und gegessen werden können.

Neben dem sinnlichen Aspekt übernehmen Pflanzen auch die Aufgabe einer zeitlichen Orientierungshilfe. Werden Pflanzen so gewählt, dass sie durch Wachstum, Blüte, Früchte oder Laubfärbung einen deutlichen Hinweis auf die Jahreszeit geben, können sie Menschen dabei helfen, sich im Jahresverlauf zu orientieren und darin Zuversicht, Vertrauen und Sicherheit zu finden. Dies spielt besonders in der Arbeit mit demenziell erkrankten Menschen eine wichtige Rolle. Im Frühjahr sollte daher auf Frühblüher, im Sommer auf sommerblühende Stauden und im Herbst auf kräftige Laubfärbung geachtet werden. Auch Obst, Gemüse und Kräuter sollten so gewählt werden, dass ihre Reife- und Erntezeit auf die jeweilige Jahreszeit schließen lässt z. B. Erdbeeren im Sommer und Kürbis im Herbst. Im Winter sollten immergrüne Gewächse vermieden werden.

Pflanzen sind selbstverständlich auch eines der wichtigsten Arbeitsmaterialen in der Gartentherapie – ob in der Arbeit mit Kindern oder Senioren, ob mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen.
Auch hier sollte bei der Pflanzenauswahl einiges beachtet werden.

Kinder befinden sich in ihrer körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung. Der Entwicklungs- und Gesundheitsverlauf kann durch die Inanspruchnahme aller Sinne positiv beeinflusst werden. Damit die sinnliche Pflanzenerfahrung ganzheitlich ablaufen kann, ist es wichtig, auf Pflanzen zu verzichten, die giftig sind oder bei Verzehr/Kontakt, allergische Reaktionen oder Unwohlsein hervorrufen können.

Bei körperlichen Erkrankungen, die z. B. Lähmungen, Einschränkungen in der Grobmotorik oder der Koordination zur Folge haben, sind robuste Pflanzen zu verwenden, die grobes Zufassen, Tritt oder Verletzungen durch das Bearbeiten gut vertragen können. Beim Training der Feinmotorik können widerum feinstrukturierte Pflanzen eingesetzt werden, die besonders behutsam behandelt werden müssen. Hier ist auch das Pflücken von Beeren z. B. Himbeeren interessant, die beim Sammeln nicht zerdrückt werden dürfen.  

Duft-, textur-, geschmacks- und strukturreiche Pflanzen finden Verwendung in Arbeit bei Erkrankungen der Psyche, da unter anderem auch hier die Sinne im Mittelpunkt der gartentherapeutischen Arbeit stehen. Ein weiterer Aspekt spielt in diesem Bereich die Farbpsychologie. Es sollten starke und aufreizende Farbkontraste/-mischungen z. B. von Rot, Gelb mit Blau vermieden, dafür weiche, beruhigende Kombinationen z. B. mit weiß, gelb, orange und grün (Blattschmuckstauden) gewählt werden.

Auch bei Demenz spielen Pflanzen eine wichtige Rolle, die abwechslungsreich in Duft, Struktur, Geschmack und Aussehen sind und die Sinne berühren. Denn sinnliche Bäume, Blumen und Kräuter können noch in hohem Alter und bei Demenz Erinnerungen wecken und den Senioren Geschichten entlocken. Bei Demenz sollten daher heimische und den Senioren bekannte Pflanzen z. B. Holunder, Nelke, Hortensie oder Ringelblume etc. ihre Verwendung finden. Auf Exoten oder Neuzüchtungen sollte verzichtet werden, da diese meist nicht mit Erinnerungen verknüpft sind und daher oft nicht das Interesse der Klienten wecken.

Das Wunderbare an Pflanzen ist, dass sie ihre Aufgaben auch außerhalb eines Gartens erfüllen können.  Ist es Klienten z. B. aufgrund von Bettlägerigkeit oder eingeschränkter Mobilität nicht möglich, in den Garten zu gehen, können Pflanzen auf dem Balkon, in Töpfen und Kübeln, auf der Fensterbank oder als Strauß für die Vase mit den selben Ergebnissen zum Einsatz kommen!

Durch ihre manigfaltigen Einsatzgebiete und Wirkungen übernehmen Pflanzen in der Gartentherapie eine entscheidende Rolle. Werden sie richtig ausgewählt und eingesetzt, können sie gezielt dabei helfen, uns auf dem Weg zu einem besseren Wohlbefinden zu unterstützen. Und wer sich in den eigenen Vierwänden etwas Gutes tun will, sollte sich Zimmerpflanzen zulegen, denn auch sie wirken sich positiv auf Körper und Geist aus und haben eine beruhigende und entspannende Wirkung auf uns, die uns dabei hilft, Stress abzubauen!