Gartenkunst und Landschaftspflege
Gestern • Heute • Morgen

Erhaltung und Entwicklung von Parks und Gärten im "grünen" Weiterbildungszentrum für Sachsen-Anhalt

Im Monat August berichtet uns die Gartentherapeutin Joana Obenauff von Wurzeglück aus Magdeburg, wie wichtig unsere Sinne sind, um unsere Welt zu erfahren, zu verstehen und auf sie reagieren zu können. In den nächsten Monaten wird dann immer einer unserer fünf Hauptsinne und seine Bedeutung für unsere Gesundheit im Mittelpunkt stehen und welche Möglichkeiten es in der Gartentherapie gibt, diese zu aktivieren.

"Erst durch äußere Reize, die wir über unsere Sinnesorgane aufnehmen, können wir die Welt um uns erfahren, verstehen und auf sie reagieren. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen sind unsere Schlüssel zur Welt, die durch Gartentherapie aktiviert werden können.

Die eingehenden Sinnesreize aus der Umwelt werden an das zentrale Nervensystem weitergeleitet, wo sie im Gehirn und Rückenmark verarbeitet werden. Jeder Sinnesreiz wird im Gehirn geordnet, verarbeitet, verknüpft, interpretiert und als eine Erfahrung abgespeichert. Dieser Prozess wird auch sensorischen Integration genannt und läuft bei jedem Menschen ab.

Der Sinn einer Erfahrung besteht in erster Linie darin, Informationen zu liefern, die dem Handeln in Gegenwart und Zukunft dienen. Sie ermöglichen Handlungen automatisch und ohne Nachdenken ausführen und Sinnesreize schnell zuordnen zu können. Erfahrungen prägen auch unsere Begriffe und Vorstellungen von der Welt, sei es von einer Person, einer Situation oder einem Gegenstand.

Erfahrungen sind Voraussetzung dafür, dass wir neue Erfahrungen schnell, richtig und sehr strukturiert machen und einordnen können. Je häufiger wir unterschiedliche Erfahrungen machen, desto besser und zutreffender ist unser Wissen über unsere Umwelt und umso differenzierter und zuverlässiger können wir unser Handeln, unsere Reaktionen und Bewegungen einer beabsichtigten Tätigkeit anpassen. Frühere und heutige Erlebnisse prägen daher die Art und Weise, wie neue Erfahrungen gemacht werden und wie wir durch sie mit der Welt interagieren. Ein anregender und vielfältiger sinnlicher Austausch mit der Umwelt regt das Gehirn zu immer neuen Verknüpfungen an, sodass es sich zu seiner vollen Leistungsfähigkeit entwickeln kann.

Vor allem für Kinder sind anregende und abwechslungsreiche Sinneserfahrungen von großer Bedeutung. Sie „be-greifen“ und „er-leben“ ihre Welt mit allen Sinnen. Wenn ein Kind noch kein Verständnis vom Begriff „heiß“ und dessen Bedeutung hat, so wird es die Mahnung „Achtung, die Herdplatte ist heiß, nicht anfassen!“ nicht vollständig zuordnen können. Wird es aber in Beziehung zum Wort „heiß“ eine entsprechende Sinneserfahrung machen, dann wird diese abgespeichert. Das Kind kann nun aufgrund dieser Erfahrung sein zukünftiges Handeln in Bezug zum Begriff „heiß“ entsprechend anpassen.

So entsteht ein Erfahrungsschatz, der uns befähigt den Alltag zu bewältigen und unser zukünftiges Verhalten noch besser an die Erfordernisse unserer Umwelt anzupassen. Aus diesem Erfahrungsschatz bilden sich Persönlichkeit, Verhalten und motorische Fähigkeiten. Ist die sensorische Integration gestört, kann dies negative Folgen für die soziale, körperliche, kognitive, emotionale, psychische sowie sprachliche Entwicklung nach sich ziehen, vor allem bei Kindern.  

In der Gartentherapie werden durch den Einsatz von Pflanzen und gärtnerischen Tätigkeiten alle Sinne stimuliert. Dem Zwitschern der Vögel und dem Rauschen des Windes in den Blättern oder dem Summen der Insekten lauschen. Mit der Hand über Blätter und Blüten streichen, die Berührung von Borke und Steinen oder die Erfahrungen mit Dornen und Stacheln. Rosmarin, Lavendel oder Minze riechen, den süßen Geschmack reifer Früchte und Beeren schmecken. Mit den Händen in der Erde stecken und sich wieder verwurzelt fühlen. Die bunten Blüten, das grüne Gras, der blaue Himmel – Gartentherapie ermöglicht es, die Natur und sich selbst mit allen Sinnen zu erfahren!"