Gartenkunst und Landschaftspflege
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Erhaltung und Entwicklung von Parks und Gärten im "grünen" Weiterbildungszentrum für Sachsen-Anhalt

Obwohl wir meinen, unsere Umwelt vor allem über das Sehen wahrzunehmen, spielt auch das Hören in unserem Alltag eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das weiß die Gartentherapeutin Joana Obenauff von Wurzelglück aus Magdeburg in ihrem aktuellen Beitrag zum Hörsinn zu berichten.

"Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen ein.“  Lorenz Oken (1779 - 1851)

Der Hörsinn bildet sich von allen unseren Sinnen zuerst. Bereits in der 8 Schwangerschaftswoche beginnen sich die Hörorgane zu entwickeln, sodass das ungeborene Baby bereits ab der 28. Schwangerschaftswoche akustisch wahrnehmen kann, was um es herum passiert. Die frühesten akustischen Erfahrungen, die wir wahrnehmen sind der Herzschlag unserer Mutter und das Rauschen des Blutes in Ihren Adern. Diese Erfahrungen prägen uns ein Leben lang und sind der Grund, warum wir Geräusche, die dem eines Herzschlags ähneln, besonders beruhigend finden.

Schon für unsere steinzeitlichen Vorfahren war ein gut ausgeprägter Gehörsinn eine entscheidende Alarm- und Informationsquelle. Er warnt uns vor herannahenden Gefahren z. B. im Straßenverkehr und liefert uns Informationen über unsere Umwelt, wie z. B. Musik, Gespräche, das Klopfen an der Tür oder das Klingeln des Weckers. Doch bevor wir Geräusche unterscheiden können, dringen zunächst einmal Schallwellen in unser Ohr, die durch den Gehörgang zum Trommelfell geleitet werden. Dies wird in Schwingung versetzt und leitet diese an das Innenohr weiter. Von dort geht der Impuls in die Gehörschnecke und weiter zu tausend kleinen Haarsinneszellen, die die Erregung als elektrischen Nervenimpuls an das Gehirn weiterleiten. Erst dort werden die einzelnen Geräusche analysiert, interpretiert und entschlüsselt. Hierzu vergleicht das Gehirn alle bereits „erlernten“ akustischen Signale und deren Bedeutung. Dieser Vorgang hilft uns dabei, angemessen auf unsere Umwelt zu reagieren z. B. beim Hören einer Fahrradklingel, aus dem Weg zu gehen.
 
Neben der Warnung vor Gefahren ermöglicht uns der Hörsinn auch die Orientierung. Zu diesem Zweck haben wir zwei und nicht nur ein Ohr. Nur mit zwei gesunden Ohren ist es möglich, einzuschätzen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt und wo wir uns selbst im Raum befinden. Unser Gehirn registriert hierzu die weniger als eine Tausendstelsekunde kurze zeitliche Verschiebung, die ein Ton von einem Ohr zum anderen braucht.

Die Fähigkeit zu Hören ist auch Grundvoraussetzung, dass wir Sprache und Sprechen lernen. Kinder erlenen Sprache durch Nachahmung von Lauten. Können sie diese nicht hören, ist eine Nachahmung nicht möglich. Sprache ist der Schlüssel zur Kommunikation und ein intakter Hörsinn für die gesamte kindliche Entwicklung von großer Bedeutung. Ist das Gehör beeinträchtigt kann es in verschiedenen Bereichen zu schwerwiegenden Problemen kommen, wie soziale Ausgrenzung und Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Funktionale Störungen des Hörsinns sollten daher frühzeitig erkannt und behandelt werden.
 
Unser Gehör und unser Ohr sind sehr sensibel und können durch Krankheit oder dauerhaften Lärm geschädigt werden. Der Verlust des Hörvermögens führt zu einer verminderten Lebensqualität und kann körperliche als auch seelisch Folgen haben. Nicht mehr hören zu können, kann das Leben von Betroffenen stark beeinträchtigen und zu sozialer Isolierung und Depressionen führen. Es wird vermutet, dass Störungen des Gehörs zu einem Rückgang der kognitiven Fähigkeiten führen können, da das Gehirn durch fehlende Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen weniger gefordert ist. Bleibt unser Gehör aber gesund, steht uns der Hörsinn bis ins hohe Alter von allen Sinnen am längsten zur Verfügung, auch bei Allzheimererkrankungen.  

Vertraute Geräusche aber vor allem Musik sind daher in der Arbeit mit demenziell erkrankten Menschen wichtige Medien. Grund hierfür ist, dass unser „Musikgedächtnis“ in einem Gehirnbereich gespeichert ist, der von durch Allzheimer verursachten Einbußen wesentlich weniger betroffen ist. So bleibt die Fähigkeit erhalten, sich an Lieder und sogar ganze Texte zu erinnern, obwohl selbst engste Angehörigen nicht mehr erkannt werden. Hören Betroffene bekannte Lieder, singen sie mit. Manchmal reichen sogar einige Takte, um ein Lied zu erkennen. Da mit Musik auch immer Emotionen und Erinnerungen verbunden sind, kann die richtige Musik auch verloren geglaubte Erinnerungen wiederbeleben.

Unser Gehör ist eine unserer wichtigsten Verbindungen zur Umwelt. Wir sollten unser Ohr und unser Gehör mehr Wertschätzung entgegenbringen. Schalten wir öfter mal den Fernseher aus, lassen wir die Kopfhörer weg und stellen unsere Smartphones aus. Sein wir lieber einfach mal ganz still und gönnen unseren Ohren, die jede Sekunde unseres Lebens für uns auf Empfang sind, ein paar Pausen von unserer lauten Welt. Lasst uns öfter in der Natur spazieren und den Klängen der Natur lauschen, die unserem Ohr seit Jahrmillionen so vertraut sind und deshalb so beruhigend auf uns wirken. Die Geräusche der Natur sind ein wertvoller Schatz, und dass wir sie hören können ein großes Geschenk!"

Joana Obenauff bietet abwechslungsreiche Vorträge und Seminare zu Wirkung und Anwendungsbereichen der  Gartentherapie, in denen sie ihr Wissen in Theorie & Praxis für interessierte Privatpersonen oder Mitarbeiter*innen aus Pflege- und Betreuungseinrichtungen für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren vermittelt. Sollten auch Sie Interesse haben, dann nehmen Sie über kontakt@web.de gerne Kontakt auf!