Gartenkunst und Landschaftspflege
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Erhaltung und Entwicklung von Parks und Gärten im "grünen" Weiterbildungszentrum für Sachsen-Anhalt

„Fast hätte ich vergessen, zu erwähnen, daß sich hinter den Guthsgebäuden ein zweckmäßig angebauter, und zugleich durch reich und mannigfach besetzte Blumenfelder geschmückter Garten befindet. Ein schönes Gewächshaus von 8 Fensterreihen, in dessen Mitte ein heitrer Gartensaal die näheren Freunde des Besitzers aufnimmt, kann schon jetzt die Menge der ausländischen Pflanzen kaum fassen. Bald wird die Umgegend alle bekannteren derselben, sowohl Blumen als Gesträuche, daselbst antreffen. Auch der Garten steht jedem Gebildeten offen, weil dessen Eigenthümer nur an dem Mitgenusse Andrer seine nächste Freude findet. Der Berlinische Gartenverein hat den Urheber sämtlicher, eben beschriebenen, Anlagen seiner besonderen Aufmerksamkeit gewürdigt.“

(aus: Karl Witte, Zichtau oder die altmärkische Schweiz, 1824) 

Umsetzung mit Fördermitteln aus dem Europäischen Programm LEADER  (EU und Landesmittel) sowie der Stiftung Zukunft Altmark

  

 

"Die Gärten von Gut Zichtau"

Im Zuge der ab 2010 erfolgten Wiederherstellung des Gutsparks Zichtau sind die Landschaftsverschönerungen Solbrigs wieder aufgegriffen und worden. Neben besonderen Ausstattungselementen im weitläufigen Landschaftspark wie das Schmuckbeet am Pavillon, das Stauden-Gräser-Beet am Pferdeteich, der Wasserfall am Schlossteich und der Küchengarten am Kornspeicher, wurden im Ort Themengärten wie ‚Pfefferminzprinz‘, Naschgarten, Hortensiengarten und Rosenterrassen angelegt. Acht Mustergärten als ‚lebendiger Gartenkatalog‘ östlich des Kirchhofes und der Schulgarten für Gartenkinder oberhalb des Waldbads bilden seit 2015 weitere „grüne“ Stationen. Bei einer Ortsumrundung kann außerdem die historische Grabstätte der von Alvensleben und die 1000-jährige Eiche entdeckt, das Wildgehege besucht und ein Abstecher zum Arboretum - Zichtauer Baumkalender gemacht werden.

Weitere Informationen zu den Gärten und Anlagen » - Nummerierung gemäß Kartenlegende Gärten von Gut Zichtau-

03_Tafel Wasserfall 
04_Tafel Schmuckbeet 
05_Tafel Stauden und Gräser 
06_Tafel Lindendom 
07_Tafel Küchengarten 
08_Tafel Streuobstwiese 
09_Tafeln Mustergärten „NaTür“ 
10_Tafel Zichtauer Staudenmischung 
11_Tafel Hortensiengarten 
12_Tafel Naschgarten 
13_Tafel Pfefferminzprinz 
15_Tafel Eiskeller 
16_Tafel Weidegarten 
17_Tafel Schulgarten für Gartenkinder 
18_Tafel Rosenterrassen 
19_Tafel Hist. Grabstätte v. Alvensleben 
20_Tafel Rotwildgatter 
21_Tafel Arboretum - Zichtauer Baumkalender 
22_Tafel Zichtauer Kegel 
23_Tafel Lebendige Friedhöfe der Altmark

Weg 
als Rundweg oder in Etappen, 3 bis 4 km, teils beschildert

Streckenprofil 
Parkwege (wassergeb. Decke), Wald- und Feldwege (erdgeb., Schotter, Gras), Wege im Ort asphaltiert, gepflastert, Dauer 2-3 Stunden

Rastplätze 
Bänke im Park und in einigen Gärten

Ausgangs- / Endpunkt 
frei wählbar, Vorschlag: Gutspark Zichtau

Sehenswertes 
Landschaftspark des 19. Jh. und neue Gärten (zwischen 2011 und 2015 angelegt), Rotwildgatter, Dorfkirche, Heimatstube, Waldbad (Naturfreibad, früher einer von 3 Karpfenteichen des Gutes)

 

"Zu Himmel und Hölle"

„Hinter dem Gitter, um nach unsern Bergen zu kommen, wenden wir uns zugleich rechts, auf einen schmalen Wiesenwege, einer Nebenmühle vom Dorfe zu. (...) bis uns eine nicht lange, hohe Pappelallee aufnimmt. Hier erblicken wir den Waldhausberg, wie auch schon beim ersten Austritt aus dem Garten. — Dahin wollen wir.“ (Witte, 1824)
Den Weg zum Waldhausberg, der durch einsame Wälder auch weiter bis zum ‚Tractirberg’ führte, hatte Solbrig ebenfalls mit Ruheplätzen ausgestattet. Die Aussicht war zwar nicht so beeindruckend wie die vom Stakenberg, dafür fand der Wanderer Unterschlupf im Waldhaus - früher ein Holzhäuschen und Aussichtspunkt, heute landschaftlich.

Weg
Rundweg, 3,5 km (einschl. Abschnitt zu Solbrigs „Grab“ hin und zurück), markiert und beschildert

Streckenprofil
Feld- und Waldwege mit teils steilen Auf-/Abstiegen, Dauer ca. 3 Stunden

Rastplätze
vorhanden (Bänke)

Ausgangs- / Endpunkt
Lindendom (Gutspark Zichtau) / Mustergärten

Sehenswertes
auf der Strecke: Solbrigs „Grab“ (Fundamentreste), Himmel & Hölle*) , als Abstecher: Arboretum – Zichtauer Baumkalender, in Zichtau: Gut mit Park und Gärten, Rotwildgatter, Dorfkirche, Heimatstube, Waldbad (Naturfreibad)

*) Von Zichtau aus nach Norden führt der Weg in die Bauerberge zu „Himmel und Hölle“. Ziemlich steil steigen die Pfade hier vom Fuß der Endmoräne aus dem engen Grund der „Hölle“ auf die Kuppe der Endmoräne in den „Himmel“. Hier liegt ein großer Findling der Saaleeiszeit (Naturdenkmal). Der Sage nach befand sich hier eine germanische Thingstätte (Quelle: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt zu LSG Zichtauer Berge und Klötzer Forst)

 

"Auf zum Stakenberg"

„Kaum ist man aus dem Guthe getreten, und neben dem Springbrunnen vorbeigegangen, so erblickt man gegenüber schon durch die Gitterthür einen Tempel, der auf einer freien Anhöhe den ersten zweckmässigen Ruhepunkt darbietet. Der Weg führt anfangs zwischen Obstbäumen, dann zwischen Pappeln hindurch. Mit Beiden abwechselnd stehen Rosenstöcke; dann kommen Birken, auch zwischen diesen sind Rosenstöcke und andere Blumen angepflanzt, und begleiten den Wanderer bis zur höchsten Spitze der Berge (...).“ 

Höhepunkt des Weges war der Ausblick vom Stakenberg, für den Solbrig neben einem festen Gebäude extra ein Gerüst erbaut hatte. 
Der Rückweg schlängelte sich „an den sanftesten Bergen und lieblichsten Gründen hin“ und landete zum Schluss an „dem Eingange, durch welchen man kam.“ 
(aus: Karl Witte, Zichtau oder die altmärkische Schweiz, 1824)

Weg 
Rundweg, ca. 4,8 km, markiert und beschildert, Anbindung an weitere Wanderwege

Streckenprofil 
überwiegend Waldwege mit teils steilen Auf-/Abstiegen (Höhendifferenz ges. rd. 80 m), in einigen Abschnitten geschottert/Sand, Dauer ca. 4 Stunden

Rastplätze
vorhanden (Bänke)

Ausgangs-/Endpunkt
Straße „Zum Tempelberg“ (am Ferienpark)

Sehenswertes
auf der Strecke: Wassertretstelle, Großer Stakenberg (Ausblick), „Ochsenkeller“-Schlucht, „Opfersteine“, „Ferchel- Eiche“ (Naturdenkmal), Tempelberg, in Zichtau: Gut mit Park und Gärten, Dorfkirche, Heimatstube, Waldbad (Naturfreibad, früher einer von 3 Karpfenteichen des Gutes)

 

Gut Zichtau und seine Geschichte 

Gut Zichtau wird um 1420 durch Ludolf VI. von Alvensleben erworben und verbleibt über 400 Jahre im Besitz derer von Alvensleben. Während des Dreißigjährigen Krieges verliert Zichtau seine Einwohner durch die Pest und wird von kaiserlichen Truppen verwüstet. Unter Busso XIII. v. Alvensleben (1600 - 1654) wird Gut Zichtau um 1630 wieder instand gesetzt.
1681 erfolgt unter den Söhnen Bussos die Teilung in zwei Rittergüter, die „Alte Seite“ und die „Neue Seite“. 1811 erwirbt Kreishauptmann Johann Christian Solbrig (1778-1850) die „Neue Seite“ (1847 die „Alte Seite“) und lässt ab 1817 die völlig entwaldeten Hellberge wieder aufzuforsten. (...)

(aus: Informationstafel „Gut Zichtau – Wiedergeburt“)

 

Johann Christian Solbrig (1778-1850) und die "Aussmückung der Landschaft"

1811 erwarb der Kreishauptmann Johann Christian Solbrig von der Familie von Alvensleben das Gut Zichtau „Neue Seite“.
Während der napoleonischen Besetzung war das Haus Zichtau aktiv an der Vorbereitung der Befreiungskriege beteiligt. 1811-1813 mussten beide Zichtauer Güter mit allen dazugehörigen Besitzungen verkauft werden auf Grund der Mitfinanzierung des Magdeburgischen Elbhusaren-Regiments.


Ab 1817 begann Solbrig die zu diesem Zeitpunkt völlig entwaldeten Hellberge wieder aufzuforsten. Der auf diesem Höhenzug heute noch bestehende Wald geht auf Solbrigs Tätigkeit zurück. Um 1820 begann er am Gutshaus einen damals viel beachteten Landschaftspark anzulegen, und er bezog in seine landschaftlichen Verschönerungen auch die umliegenden Hellberge mit ein.
Bei der Anlage dieses ländlichen Parks gestaltete Solbrig als „Dilettant“ – ob mit oder ohne Gärtner ist nicht überliefert. Seine Vorgehensweise erinnert an ein frühes Beispiel gezielter landschaftlicher Gestaltung in Sachsen-Anhalt, den Landschaftspark Spiegelsberge. Der Halberstädter Domdechant Ernst Ludwig Christoph Spiegel (1711-1785) führte die in seinem Besitz befindliche kahle Hügelkette durch artenreiche Aufforstung „zurück zur Natur“. Als Vorbild und Inspirationsquelle mögen Solbrig auch die Wörlitzer Anlagen gedient haben, die in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden und im Wesentlichen um 1800 fertig gestellt waren.
Karl Witte legt in seiner Beschreibung „Zichtau oder die altmärkische Schweiz“ aus dem Jahr 1824 die Aufmerksamkeit auf die „verschönerte Landschaft der umliegenden Berge“. Dieser Beschreibung sind die Zitate zu den „Lust- Wanderwegen“ in und um Zichtau „Auf Solbrigs Spuren“ entnommen. 
(aus: Denkmalpflegerische Rahmenkonzeption, HORTEC 2010)

 

Altmärkische Wandernester

Zu den „Altmärkischen Wandernestern“ im Tourismusverband Altmark e. V. gehören Orte wie Arendsee, Gardelegen, Jemmeritz, Kalbe und Klötze, die Wanderfreunden abwechslungsreiche Wanderwege auf insgesamt 700 km Länge anbieten - ab Nov. 2016 ergänzt durch drei Routen „Auf Solbrigs Spuren“ in und um Zichtau.

Nach den Qualitätskriterien des Deutschen Wanderverbandes bieten die Wandernester Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten und stellen als Wanderstützpunkte Karten- und Infomaterial zur Verfügung. Die Wege sind gut ausgeschildert oder markiert.

 
 
 

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