Beton-Knacker – Schernikau
Die einen kamen, weil sie Bewegung in ihrer Gemeinschaft fördern wollten, andere um einmal selbst ein Haus abzureißen, und wieder andere, um für die nächste Sendung zu drehen.
Doch am 14. Juli vereinte sie alle ein gemeinsames Ziel: die erste BetonKnacker-Aktion in Schernikau. Im Rahmen des Projekts „Gemeinsam gesund durchs Gartenjahr“ wurde dort der alte Waage-Schuppen abgerissen, um versiegelte Flächen zu entsiegeln und Platz für mehr Natur zu schaffen. Finanziert wird das Vorhaben durch das europäische LEADER ESF+-Programm. Dabei sollen auf nachhaltigem Wege ökologische Gemeinschaftsräume in Natur und Garten geschaffen werden
Die Idee hinter dem BetonKnacken stammt aus den Niederlanden, wo das sogenannte „Tegelwippen“ längst verbreitet ist. Miek Stap, Niederländerin und Mitinitiatorin des Projekts, brachte das Konzept in die Altmark. Der Grundgedanke: „Jeder kann mitmachen. “Jede Entsiegelung zählt, sei sie noch so klein.“ Anders als bei klassischen Wettbewerben geht es dabei nicht darum, möglichst viel Beton zu entfernen, sondern darum, was anschließend mit der Fläche geschieht.
Dort, wo es schon etabliert ist, lässt sich erkennen, wie die Teilnahme aussieht. Wer Boden entfernt, welcher die Natur einschränkt, dokumentiert seine Arbeit und reicht sie ein. Die Quadratmeter werden gezählt und für einen festen Zeitraum und Ortskreis wird ein Gewinner gekürt.
In Schernikau war die Vorfreude auf die Veränderung schnell zu spüren. Noch bevor die Arbeiten begannen, waren bereits Bürgermeister Norman Kleebe, Vereinsvorsitzende Christa Ringkamp, Mitglieder der gARTenakademie sowie zahlreiche Gäste und Anwohner vor Ort. Auch das MDR-Team war eingetroffen, um die Aktion für die nächste Ausgabe seiner Reihe „mitmachen statt meckern“ zu begleiten. Kurz nach neun Uhr konnte es losgehen.
Aus dem Waagehaus machten alle Anwesenden kurzen Prozess. Das Dach kam ab, die Betonwand wurde mit Muskelkraft und Baggerschaufel zerlegt, der Bauschutt ins Waageloch neben dem alten Schuppen geschippt und der Rest vom Bauhof abtransportiert. Anschließend entstand aus mehreren Schichten ein neuer Untergrund: unten Bauschutt, darüber Ziegelsplitt, dann Erde und als Abschluss noch eine dünne Schicht Ziegelsplitt, damit die Fläche nicht austrocknet. Im Herbst sollen dort pflegeleichte, heimische Stauden wie Eselsohr, Brandkraut, Schafgarbe und Duftnessel wachsen. Gut für die lokale Vegetation und ihre tierischen Bewohner.
Die Arbeit war nach vier schnellen Stunden geschafft, trotz Mittagspause und parallel laufender Dreharbeiten. Von jung bis alt war die Beteiligung groß. Auch die elfjährige Emma Alina Gens war dabei und hätte am liebsten selbst mit dem Bagger ihres Opas gearbeitet.
Die Stimmung blieb durchweg positiv. „Einer Einladung in einen Nachbarort zum Betonknacken würde ich zusagen“, sagte Gesine Pakenius, die sich besonders darüber freute, den baufälligen Waageschuppen aus dem Dorf zu entfernen. Auch Sabine Döring, Produktionsassistentin des MDR-Teams, würde gern weitere Projekte in der Altmark begleiten.
Nach dem erfolgreichen Auftakt fühlt sich die gARTenakademie in ihrem Vorhaben bestätigt. Die erste BetonKnacker-Aktion hat gezeigt, dass das Konzept in der Altmark ankommt und dass aus einem alten Beton-Schuppen schon nach wenigen Stunden eine offene Naturfläche werden kann.


















