
KlimaGO KLIMAFITTES Gemüse und Obst AUF BALKON UND TERRASSE
Ergebnis – Ausblick
Das Projekt stellt eine erfolgreiche Modellmaßnahme dar, die sowohl in sozialräumlicher als auch ökologischer Hinsicht weiterentwicklungsfähig ist. Der gewählte Citizen-Science-Ansatz ist besonders für Bildungs- und Beteiligungsformate im Bereich der urbanen Nachhaltigkeit geeignet. Für die Zukunft ergeben sich folgende Potenziale:
- Skalierung und Verstetigung: Eine Ausweitung des Programms auf weitere Städte und Wohnungsbaugesellschaften könnte den positiven Effekt auf Lebensqualität, Biodiversität und Stadtklima verbreitern.
- Klimaanpassung urbaner Räume: Das Projekt zeigt praxisnah, wie durch einfache Begrünungsmaßnahmen nicht nur die Selbstversorgung, sondern auch das Mikroklima in dicht besiedelten Wohngebieten verbessert werden kann. Dies sollte in Klimaanpassungsstrategien stärker berücksichtigt werden.
- Soziale Innovation: Der niedrigschwellige Zugang und die Möglichkeit zur gemeinschaftlichen Umsetzung in Schulen, Kitas, Seniorenheimen oder durch Wohnungsbaugenossenschaften zeigen, wie inklusiv Gärtnern als gesundheitsfördernde Maßnahme wirken kann.
Das Projekt KlimaGO – Klimafittes Gemüse und Obst für Balkon und Terrasse kann als erfolgreiches Beispiel für die Verbindung von praxisnaher Umweltbildung, urbaner Selbstversorgung und bürgerwissenschaftlicher Forschung gelten. In seiner zweijährigen Laufzeit wurde nicht nur eine Vielzahl an Daten zu Erträgen, Pflanzenentwicklung und Pflegeanforderungen unterschiedlicher Nutzpflanzen auf Balkonen und Terrassen gesammelt, sondern auch eine breite Zielgruppe aktiv in die Umsetzung eingebunden.
Das Projekt verfolgte drei zentrale Zielrichtungen: die Erprobung geeigneter Nutzpflanzenarten für kleinklimatische Extremstandorte (wie Südbalkone, windige Terrassen oder beschattete Lagen), die Förderung der gärtnerischen Eigenaktivität auch bei unerfahrenen Nutzern und Nutzerinnen sowie die Bewertung des subjektiven Nutzens hinsichtlich Lebensqualität und Wohlbefinden. In allen drei Bereichen konnten wertvolle weiterführende Erkenntnisse gewonnen werden.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Anbau in Hochbeetkästen mit geeignetem Pflanzsubstrat und durchdachter Sortenauswahl erfolgreich möglich ist – auch ohne Vorkenntnisse. Besonders Tomaten, Gurken und Erdbeeren erwiesen sich als robuste, ertragreiche und beliebte Pflanzen, während andere Arten wie Erbsen oder Salat stärkeren Umwelt- und Pflegeeinflüssen unterlagen und weniger erfolgreich waren. Auch die Auswertung der 6Ernteerträge zeigte deutlich, dass Standortfaktoren wie Exposition, Etagenlage und Überdachung eine zentrale Rolle für den Erfolg des Anbaus spielen.
Darüber hinaus bestätigte sich die große Bedeutung der subjektiven Faktoren: Der Anbau wurde von einer überwältigenden Mehrheit als wohltuend, stressreduzierend und bereichernd empfunden. Diese emotionale Komponente ist nicht zu unterschätzen – sie trägt wesentlich zur Motivation bei, solche Projekte nicht nur einmalig, sondern dauerhaft in den Alltag zu integrieren. Die verfolgten Ziele wurden hiermit erreicht.
Das Projekt weist jedoch auch auf Herausforderungen hin. Nach frühzeitiger Feststellung, dass z.B. die erhobenen Daten nicht den statistischen Ansprüchen entsprechen, wurde als Lösungsansatz festgelegt, dass die Auswertung der Daten nur im Kontext mit der Fotodokumentation sowie der schriftlichen bzw. individuellen Darstellung der Beobachtung durch die Teilnehmer erfolgen kann. Die Datenqualität war insbesondere in der ersten Erhebungsphase durch uneinheitliche Rückmeldungen limitiert, was auf die methodische Komplexität der Selbsterfassung durch Laien zurückzuführen ist. Hier konnten jedoch durch Anpassung der Erhebungsinstrumente Verbesserungen erzielt werden. Weitere Schritte in Richtung Vereinfachung und Digitalisierung erscheinen zielführend.
Insgesamt zeigt KlimaGO, dass urbane Gartenprojekte nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch sozial wirksam und gesundheitlich förderlich sind. Sie bieten ein niedrigschwelliges, identitätsstiftendes und generationsübergreifendes Angebot zur aktiven Mitgestaltung des eigenen Wohn- und Lebensumfeldes. Das Projekt hat erfolgreich gezeigt, wie sich bürgernaher Klimaschutz, nachhaltige Ernährung und soziale Teilhabe auf innovative Weise verknüpfen lassen – ein Modell, das zukünftig verstärkt in Stadtentwicklung, Bildung und Umweltpolitik einfließen sollte.
Kurz gefasst
Klimafittes Gärtnern auf Balkon und Terrasse hat positive Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt:
Klimafreundliche Effekte
- CO2-Einsparung durch kürzere Transportwege
o Gemüse & Obst wächst direkt am Balkon –> kein Transport per LKW, Schiff oder Flugzeug nötig.
o Besonders bei Tomaten, Erdbeeren oder Salaten kann das viel CO2 sparen. - Mikroklima verbessern
o Pflanzen verdunsten Wasser –> dadurch wird die Luftfeuchtigkeit erhöht und die Umgebung kühlt sich leicht ab (wichtig in Städten mit „Hitzeinseln“).
o Ein grüner Balkon kann die Wohnung im Sommer kühler halten. - CO2-Bindung
o Jede Pflanze nimmt CO2 auf und produziert Sauerstoff– auch kleine Hochbeete/Balkonkästen tragen dazu bei. - Förderung der Artenvielfalt
o Blühende Gemüse- und Obstpflanzen (z. B. Tomaten, Erdbeeren, Kräuter) locken Bienen, Hummeln & Schmetterlinge an.
o Das unterstützt Bestäuber, die wiederum für Landwirtschaft und Natur wichtig sind. - Weniger Verpackungsmüll
o Selbst angebautes Gemüse & Obst braucht keine Plastikverpackung oder Etiketten. - Nachhaltige Kreisläufe
o Küchenabfälle (z. B. Kaffeesatz, Gemüseschalen) können als Dünger oder Mulch verwendet werden.
o Spart Energie und Ressourcen im Vergleich zu industriellem Dünger.
Extra-Effekt: Auch wenn ein einzelner Balkonkasten / Hochbeetkasten klein ist, ergibt die Summe vieler Balkone in Städten eine „grüne Infrastruktur“, die messbar zum Stadtklima beiträgt.


KlimaGO – 120 Balkone und Terrassen in Sachsen-Anhalt gärtnern für das Klima
Unter dem Motto „Gärtnern für das Klima“ startete im Mai 2023 unter der Leitung der gARTenakademie Sachsen-Anhalt e. V. das Projekt „KlimaGO – klimafittes Gemüse und Obst auf Balkon und Terrasse“. Ermöglicht wird das Projekt durch die Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und durch die Unterstützung der Partner: Natur im Garten (Niederösterreich), Hochschule Anhalt (Bernburg), Prof. Hellriegel Institut e. V., Elke Pasbrig (Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion für Landwirtschaft, Tierschutz und Petitionen), Wohnungsgesellschaft Osterburg mbH sowie Leuna-Wohnungsgesellschaft mbH.
Insgesamt gärtnern nun bis Ende 2024 120 Teilnehmerinnen u.a. in den Städten Magdeburg, Hansestadt Osterburg, Bad Dürrenberg und Burg, Hassel, Ostingersleben, Hohenerxleben, Neulingen auf ihren Balkonen und Terrassen.

Woche der Umwelt 2024
Die ersten Ergebnisse aus dem Gartenjahr 2023 werden Vertreterinnen des gARTenkakademie Sachsen-Anhalt e.V. im Rahmen der „Woche der Umwelt“ in Berlin im Garten des Bundespräsidialamtes am Schloss Bellevue präsentieren.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) laden jährlich ein zur Woche der Umwelt 2024. Am 4. und 5. Juni 2024 erwartet die Gäste ein attraktives Fachprogramm, spannende Diskussionen und eine große Ausstellung. Rund 190 Ausstellende aus Wirtschaft und Technik, Forschung und Wissenschaft sowie aus der Zivilgesellschaft präsentieren in der zweitägigen Innovationsschau im Park von Schloss Bellevue ihre zukunftsweisenden Lösungen für eine verantwortungsvolle Gestaltung des Wandels.



Immer mehr Menschen suchen nach Wegen, um ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und selbst etwas für das Klima zu tun. Insbesondere in dicht bebauten Siedlungsgebieten, Städten und Ballungsräumen, wo die Auswirkungen des Klimawandels immer spürbarer werden, gewinnt das “Grün” auf Balkon und Terrasse an Bedeutung – für den Wohlfühleffekt und die Selbstversorgung vor der eigenen Tür. Das Projekt “KlimaGO” möchte in einem Praxisversuch gemeinsam mit Balkon- und Terrassengärtnern herausfinden, welche Nutzpflanzen für die extremen kleinklimatischen Bedingungen auf Balkon und Terrasse besonders gut geeignet sind und sich klimafit kultivieren lassen.
Dabei geht es nicht nur um die Selbstversorgung mit unbelastetem Gemüse, Obst und Kräutern, die biologisch, lokal und nachhaltig auf dem eigenen Balkon oder der Terrasse selbst produziert werden. Es geht auch um die Entwicklung neuer Einsichten über die zukünftige Pflanzenverwendung im öffentlichen sowie im privaten Bereich – Stichwort: Essbare Stadt – und darum, die Selbstversorgung vor der eigenen Tür salonfähig zu machen und damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
120 Teilnehmer haben sich dazu entschieden, zum „KlimaGO-Gärtner“ zu werden. Neben den Mietern der beteiligten Wohnungsbaugesellschaften, gehören ebenfalls 20 Kleingärtner des Kleingartenvereins „Aufbau“ (Hansestadt Osterburg) und die Lebenshilfe gGmbH aus Osterburg dazu. Alle Teilnehmer erhielten ein Balkonpaket bestehend aus einem XXL-Hochbeetkasten sowie torffreier Erde und Pflanzen in Bioqualität. Für die Saison 2023 haben sich die „KlimaGO-Gärtner“ unter anderem über Pflücksalat, Zuckererbse, Paprika, Cocktailtomate, Snackgurke und Schnittlauch gefreut, im Winter 2023/2024 über Wintersalat und ab Mai 2024 gibt es zu den Erdbeeren und Schnittlauch aus 2023 Tomate, Aubergine, ein Salatband, Steckzwiebel, nicht rankende Kapuzinerkresse sowie glatte und krause Petersilie.
Die Teilnehmer dokumentieren über die gesamte Projektlaufzeit regelmäßig ihren Pflegeaufwand, die Wassergaben, die Gesundheit ihrer Pflanzen und den Ernteertrag. Sie tragen somit maßgeblich dazu bei, herauszufinden, welche Pflanzen sich für die Selbstversorgung auf Balkon und Terrasse am besten eignen und welche klimatischen Bedingungen für die Pflanzen optimal sind. Die gewonnenen Erkenntnisse werden dazu dienen, in Zukunft noch besser über die geeignete Pflanzenauswahl und die Pflege von Nutzpflanzen auf Balkon- und Terrasse informieren zu können, damit die Selbstversorgung auf Balkon und Terrasse nicht nur ein Trend bleibt, sondern zur Selbstverständlichkeit wird.
Nach der Woche der Umwelt werden die ersten Ergebnisse hier präsentiert.
Unter den in einem Ideen-Wettbewerb qualifizierten rund 190 Ausstellenden (https://www.woche-der-umwelt.de/wdu-aussteller/) sind aus Sachsen-Anhalt sehr vielfältige Vorhaben, teilte die DBU mit. Dahinter verbirgt sich ein großes Spektrum von Zukunftsprojekten für mehr Umweltschutz. So vermittelt die Stiftung Umwelt-, Natur- und Klimaschutz (Sunk) Einblicke in einen einzigartigen Biotopverbund: das „Grünes Band“, ein Naturjuwel in Deutschland und Europa. Als ehemaliger Grenzstreifen zwischen damaligen Ostblock- und NATO-Staaten misst das Grüne Band heute – von der norwegisch-russischen Grenze bis zum Schwarzen Meer – insgesamt 12.500 Kilometer, davon in Deutschland fast 1.400 Kilometer. Ein Großteil dieser Grüne Band-Flächen wurde als Nationales Naturerbe an die Landesstiftungen Thüringen und Sachsen-Anhalt übertragen. Das DBU Naturerbe, die Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, ist übrigens auf dem Gebiet ebenfalls sehr engagiert: Sie kümmert sich um rund 70.000 Hektar der bundesweit insgesamt rund 164.000 Hektar Nationales Naturerbe. Als Ausstellender mit dabei ist auch der Verein „gARTenakademie Sachsen-Anhalt“ – mit dem Projekt „KlimaGO“ zu klimaresilientem Gemüse und Obst, unter anderem auf Balkonen und der Terrassen. „Der Park von Schloss Bellevue bietet den Ausstellenden eine einzigartige Atmosphäre, um nachhaltige Projekte und Produkte einem bundesweiten Publikum vorzustellen“, so Bonde.



